Brandschutz für Busse

Brände in Reisebussen oder Bussen im öffentlichen Nahverkehr stellen ein sehr seltenes Ereignis dar. Das daraus resultierende Gefahrenpotenzial übersteigt aber das eines Pkw bei weitem, da von einer größeren Zahl betroffener Personen ausgegangen werden muss. Bauartbedingt ist mit erschwerten Bedingungen bei der Evakuierung von Bussen zu rechnen, insbesondere bei Sichtbehinderung durch Rauch in Verbindung mit Panikreaktionen der Fahrgäste.

Der Brandschutz wird immer mehr verschärft, damit solche Unglücke zukünftig nicht mehr vorkommen. Photo: Verkehrspolizei St. Gallen

Sitze stellen in Reisebusinnenräumen eine der Hauptbrandlasten dar. Es bedarf einer Prüfung des Brandverhaltens am Originalbauteil. Einzelprüfungen der verwendeten Materialien, beispielsweise entsprechend DIN EN ISO 3582 [117], spiegeln das reale Brandgeschehen nicht ausreichend wider.

Dabei muss der Sitz mit allen Komponenten ausgestattet sein, die auch im Bus zum Einsatz kommen. Dazu gehören unter anderem Armlehnen, Sicherheitsgurte und Kopfkissen. Sitzbänke sind als solche zu prüfen.

Geprüft wird mit dem UIC-Papierkissen nach DIN 54341 bzw. UIC 564-2 entsprechend den Vorgaben und Grenzwerten aus DIN 5510.

Getestet wird mit einem genormten 100g-Papierkissen, welches auf die Sitzfläche gelegt und an den 4 Ecken angezündet wird. Der Test gilt als bestanden, wenn die Flamme die Höhe der Rückenlehne um nicht mehr als 45 cm übersteigt, die Armlehnen bzw. die Ränder der Polsterfläche nicht erreicht werden und der Polsterverbund nach max. 15 Minuten von selbst erlischt.

Dieses Testverfahren wird auch bei der Prüfung von Sitzen in Schienenfahrzeugen angewandt. Einzelmaterialien, wie Bezugs-Stoffe oder Polsterschäume Möbel, die den „Papierkissentest“ nach DIN 54341 erfolgreich bestanden haben, weisen ähnliche Brandeigenschaften auf, wie Baustoffe, die nach DIN 4102 (B1 und B2) als „schwer entflammbar“ (B1) klassifiziert sind.

Der Fahrersitz muss die gleichen Anforderungen erfüllen. Es ist allerdings nicht nachvollziehbar, warum die Rauchentwicklung von Sitzen in Schienenfahrzeugen keiner Anforderung unterliegt. Eine solche Anforderung wird für den Reisebussektor als erforderlich erachtet. Zusätzlich sollte die Prüfung der Rauchentwicklung entsprechend DIN 54837 erfolgen. Dabei ist sowohl eine Probe aus dem Sitzkissen als auch aus der Rückenlehne zu testen, so hier unterschiedliche Werkstoffe zum Einsatz kommen.

Die Regelungen für Busse sind leider noch nicht so optimal wie die für Schienenfahrzeuge.

Jedoch haben Hersteller die für Busse geltende Vorschrift zum Brennverhalten der verwendeten Materialien im Fahrgastraum („ECE R 118“)  in den vergangenen Jahren schrittweise verschärft.

Weitergehende Änderungen für Neufahrzeuge, die die EU vorsieht, treten erst 2020 in Kraft. Die Erneuerungen sollen Voraussetzungen im Hinblick auf die Entflammbarkeit und das Brandverhalten der verwendeten Materialien im Innenraum von Bussen regeln. Außerdem soll die Verwendung feuerresistenter Isolationsmaterialien standardisiert werden.

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